Wenn Lesen und Schreiben zur Herausforderung wird
In Deutschland leben Millionen Erwachsene, die nicht ausreichend lesen und schreiben können – ein Umstand, der oft verborgen bleibt und dennoch tiefgreifende Auswirkungen auf das tägliche Leben und die gesellschaftliche Teilhabe hat. Die vierteilige ZDF-Dokumentation „Buchstäblich Leben“ beleuchtete dieses Thema eindrucksvoll und einfühlsam anhand persönlicher Geschichten von Betroffenen. Dazu wurden acht erwachsene Protagonist*innen, die ihre Defizite im Lesen und Schreiben mit professioneller Unterstützung und prominenter Begleitung überwinden wollten, über vier Monate hinweg begleitet. Die Miniserie wurde ab Dezember 2023 ausgestrahlt.

Alltagsrealität ohne Schriftkompetenz
Die Protagonist*innen der Dokumentation zeigten, wie sie trotz ihrer Schwierigkeiten mit Schrift im Berufsleben, beim Einkaufen oder im Umgang mit Behörden zurechtkommen. Viele haben Strategien entwickelt, um ihre Defizite zu verbergen – aus Angst vor Stigmatisierung oder Scham. Die Kamera begleitete sie in Momenten der Offenheit und des Mutes, wenn sie sich ihrer Situation stellen und neue Wege gehen.
Gesellschaftspolitische Relevanz
Die ZDF-Dokumentation macht deutlich: Geringe Literalität ist kein Randphänomen. Laut Studien sind etwa 6,2 Millionen Erwachsene zwischen dem 18. und 64. Lebensjahr in Deutschland betroffen – das sind rund 12 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung. Ursachen reichen von Bildungsbenachteiligung über familiäre Umstände bis hin zu fehlender Förderung im Kindesalter. Die Folgen sind gravierend: eingeschränkte Berufschancen, geringes Selbstwertgefühl und soziale Isolation.
Bildung als Schlüssel
Initiativen wie Alphabetisierungs- und Grundbildungskurse, Lerncafés oder digitale Lernangebote versuchen, Betroffene zu erreichen und zu unterstützen. Doch der Zugang zu diesen Angeboten ist oft schwierig – nicht zuletzt, weil viele Erwachsene ihre Schwächen nicht offenlegen wollen. Die ZDF-Dokumentation zeigt, wie wichtig niederschwellige, empathische Bildungsangebote sind, die Vertrauen schaffen und Perspektiven eröffnen.
Ein Appell an Politik und Gesellschaft
„Buchstäblich leben“ ist mehr als ein Dokumentarfilm – es ist ein Aufruf, hinzusehen und zu handeln. Die Förderung von Schriftkompetenz darf nicht nur Aufgabe der Bildungspolitik sein, sondern muss als gesamtgesellschaftliche Verantwortung verstanden werden. Denn Lesen und Schreiben sind Grundvoraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben.
Die vollständige ZDF-Reportage von 2023 ist noch immer in der ZDF-Mediathek abrufbar.

